Hinter den KulissenPaderborn/OstwestfalenRegionen

Ein Blick hinter die Kulissen: Heute: Kirchenmusik in der Hauskapelle St. Nikolaus Hövelhof

Von Karl-Michael Soemer:
Es ist schon erstaunlich, welche Leistungen man erbringen kann, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist.

Als leitender Seelsorger der Seelsorgeregion Paderborn/Ostwestfalen bin ich für die Pflege und die Liturgie in der Hauskapelle St. Nikolaus in Hövelhof verantwortlich. Von Glück gesegnet, habe ich einen Ehemann, der mit viel Freude und Leidenschaft musiziert. Von Blechblasinstrumenten über Klavier hat er sich zu einem hervorragenden Kirchenmusiker für die Hauskapelle entwickelt. – Wenngleich das Wort “Kirchenmusiker” vielleicht nicht ganz passt, auch wenn er die gesamte Musik, die in der Kapelle genutzt wird, “gespielt” hat.

Kommen wir zum Punkt: Eine Kapelle mit 3,85 x 3,28 Metern Grundfläche hat nicht wirklich Platz für eine ausladende Kirchenorgel. Nicht einmal für ein Harmonium oder ein Klavier, denn im Raum stehen ja neben dem Altar mit seiner Stufe und der Kredenz auch noch Bänke und Schränke, in denen die Gegenstände und die Kleidung für die Liturgie aufbewahrt werden.

Als sinnenfältiger Mensch ist mir jedoch Gesang und musikalische Umrahmung im Gottesdienst ein wichtiges Anliegen. Es bedurfte also bei der Planung der Kapelle und der Liturgien einiger Überlegungen, wie es möglich ist, qualitativ hochwertige und liturgiegerechte Musik in die Kapelle zu bekommen. – Die Lösung fand sich in Tonaufnahmen.

Wenn man sich nun auf die Suche macht, die Lieder der verschiedenen Gesangbücher auf Ton- oder Datenträger zu bekommen, dann muss man lange suchen, um dann wenigstens die liturgischen “Gassenhauer” zu bekommen. – Aber Liturgie ist eben mehr, als “Großer Gott wir loben Dich” und “Lobe den Herren”.

Mein Mann war durch seine musikalischen Tätigkeiten mit der Eingabe von Noten / Notensatz bestens vertraut. Die entsprechende Software, um solche Meisterleistungen zu vollbringen, hat er sich angeschafft. Dazu noch ein weiteres Programm, um die eingegebenen Noten auch in einer hochwertigen Qualität registrieren und abspielen zu können. Eine nicht ganz günstige Anschaffung, aber eine lohnende!

Beim Eingeben und Registrieren der Noten

Dazu kommen verschiedene Orgelbücher, Notenhefte und Musikausgaben, die man, wenn man die Musik nutzen möchte, natürlich auch im Original besitzen muss. So haben wir hier in Hövelhof die gängige Orgelliteratur für Liedbegleitungen, Vorspiele, Zwischenstücke und Ein- und Auszüge. – Mein Mann hat davon einen Großteil bereits gesetzt, registriert und hörbar gemacht. Und das mit wachsender Begeisterung für die Möglichkeiten, die man durch verschiedene Registrierungen erreichen kann.

Wir sind mittlerweile bei einem musikalischen Schatz von ca. 2000 unterschiedlichen Musikstücken für die Feier der Liturgie angekommen. Jedes Stück , Note für Note erfasst, eingegeben, registriert und zum Hören und Mitsingen konvertiert. Viele der singbaren Kirchenlieder in verschiedenen Variationen, je nach Orgelbuch und Literatur, in der die Stücke aufgeführt sind. So reichen die Variationen von einfachen Vorspielen über Vorspiele und Sätze aus dem Orgelbuch der Domorganisten bis hin zu Vorspielen und Sätzen aus dem jüngst erschienenen Ökumenischen Orgelbuch. Auch Stücke aus dem alten und dem neuen Gotteslob und Bläsersätze aus der Posaunenliteratur sind vorhanden und nutzbar. Ein großartiger Schatz der Kirchenmusik.

Um diese Musik im Gottesdient nutzen zu können, bedarf es der Anmeldung bei der VG-Musikedition in Kassel (GEMA für Kirchenmusik), der entsprechenden Verwertungsgesellschaft, denn die Komponisten, Herausgeber und Verleger möchten ja auch etwas an ihren Musikstücken verdienen. So ist selbst die kleinste Gemeinschaft verpflichtet, sich anzumelden und entsprechende Gebühren zu entrichten. Der Vorteil ist, dass man diese Musik dann auch in Gottesdienstübertragungen im Internet nutzen darf. Die großen Kirchen haben hier Rahmenverträge, die einen gewissen Beitrag an die VG-Musikedition abführen. Wir haben für unsere Gemeinde einen eigenen Vertrag abschließen müssen. Dieser gilt nur für die einzelne Gemeinde, nicht für die ganze Kirche. Dazu müssen wir regelmäßig “Playlists” schicken, in denen erfasst ist, wann wir welches Stück genutzt haben, wer der entsprechende Komponist ist und in welchem Verlag die Noten erschienen sind bzw. wer die Rechte am Lied hat. Und das für jeden einzelnen Gottesdienst, den wir als Gemeinde oder in der Übertragung feiern.

Technisch gesehen kann man die Musik dann mit einer transportablen Soundbox abspielen, die wir mit einem Tablett ansteuern können. Auf diesem Tablett ist die entsprechende Gottesdienstmusik für den laufenden Gottesdienst gespeichert. So ist es uns dann möglich, verschiedenste Stücke und Lieder beim Gottesdienst zu nutzen.

Ein herzliches Dankeschön an meinen Mann, der mit so viel Engagement und Kreativität diese Menge an Musikstücken erstellt hat – und weiter erstellt.


Anbei zwei Tonbeispiele:

Trenner, Stefan – Danza
Bach, Johann Sebastian – BWV 611 Christum wir sollen loben schon