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Erklärung zur “Ehe für alle”

Eine Ehe im kirchenrechtlichen Sinn der römischen Kirche ist ihrer Natur nach auf das gegenseitige Wohl sowie auf die Zeugung und Erziehung von Kindern hingeordnet.

Die Ehe von getauften Christen ist ein Sakrament. Durch das „Ja-Wort“ zur Ehe dürfen die Partner keinen Kernbereich der Ehe ausschließen. Weder die eheliche Treue, noch die Unauflöslichkeit*, noch die Hinordnung auf das beiderseitige Wohl und auf Nachkommenschaft. Diese Voraussetzungen machen die sakramentale Eheschließung zwischen Mann und Frau möglich.

Die „Ehe für alle“, die staatliche Gleichsetzung der Verbindung zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Partnern mit der Verbindung zwischen Mann und Frau ist längst überfällig! Das schließt allerdings nicht aus, dass der Staat und auch die Kirche die Verpflichtung hat, Verbindungen von Menschen mit Nachkommen (Eltern mit Kindern) besonders zu fördern, seien es heterosexuelle oder homosexuelle Eltern mit ihren Kindern! Um genau diese Gleichstellung geht es. Um gleiche Rechte und gleiche Pflichten.

Kirchlich gesehen können wir bei der Eheschließung assistieren, wenn sie sich gegenseitig das Sakrament spenden. Den homosexuellen Ehen werden wir selbstverständlich auch assistieren. Ob die Verbindung zwischen ihnen sakramentalen Charakter hat, das entscheidet keine Kirche, kein Bischof und kein Papst, das entscheidet Gott selbst.

30.6.2017

++Karl-Michael Soemer (Erzbischof der Unabhängig-katholischen Kirche)
(redaktionell überarbeitet im Januar2021)


*Die Unauflöslichkeit der Ehe ist bis zum Tod besiegelt. Wir verstehen als Unabhängig-katholische Kirche allerdings hier auch den Tod der Liebe als Tod, wenn die Liebe gestorben ist und nicht mehr gelebt wird, ist mit diesem Tod auch das Sakrament der Ehe aufgehoben – eine Wiederheirat ist demnach nach unserem Verständnis möglich.

Bild: S. Hofschlaeger  / pixelio.de