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Wort zum 2. Fastensonntag, den 28.02.2021

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Deichkind haben es schon früher gewusst …

Danke für den Kommentar, Warnapp, Tierapp, Gefällt mir, like mich…

Nun wie der Satz like mich… endet, möchte ich hier nicht weiter ausführen.

Wer sich aber das Lied von den Musikern der Hamburger Hip-Hop Formation Deichkind anhört, das mit like mich… beginnt, wird auch wenn es alles auf den ersten akustischen Eindruck hin lustig klingt, beim weiteren oder zweiten Anhören des Songs merken, dass sich die Jungs aus dem Norden mit einem durchaus ernsten Thema in ihrem musikalischen Beitrag beschäftigen.

Erschienen ist dieses Lied am 30.01.2015 und es beschreibt, wie sehr die digitale Welt unser Leben beherrscht.

Für vieles gibt es eine App. Viele schreiben ständig viel, verschicken Bilder, beschreiben, was sie gerade tun, fotografieren ihr Essen, ein Paar geht zum Italiener, in einer Hand die Gabel in der anderen das Handy, Gespräch gleich “0”.

Seit ein paar Tagen bedenke ich mich mein Verhalten im Umgang mit den sozialen Medien sehr kritisch. Da gehe ich auch mit mir ins Gericht und frage mich, was wirklich notwendig ist, meinerseits meiner Umwelt mitzuteilen. Möchte meine Umwelt das unbedingt alles von mir wissen, was ich da versende ? Möchte ich alles wissen, was an mich versandt wird und Muss ich jedes Bildchen, das mich zum Lachen bringen soll annehmen ? Kann ich da mal die Kelle rausholen, auf der Stopp, nein Danke steht ?

Ja ich kann. Das kann jeder von uns. Wir brauchen es nur freundlich vermitteln. Dann klappt es. Ein Freund von mir, hat diese Kelle gezogen. Das finde ich großartig. Er ließ wissen, dass ihm die Vielzahl von Nachrichten überfordert. Solange es die sozialen Medien gibt, habe ich noch keines Menschen Mitteilung gelesen, in der steht, dass ihm das Maß dessen, was er als Nachrichten bekommt zu viel ist. Das nenne ich ehrlich und mutig.

Fastenzeit ist die Zeit der Enthaltung. Es muss nicht die Zeit der Reduzierung des Essens von Süßigkeiten sein. Die Verringerung unseres sich Beschäftigens mit WhatsApp, Facebook und Co. ist auch ein Fasten. Betrachten wir es als ein Heilfasten für Körper und Seele.

6 Wochen dauert die Fastenzeit. Das heißt nicht: “Auf die Plätze fertig los” und ab Ostern wieder ran ans Eingemachte, wir starten die mediale persönliche Überforderung von uns und anderen, sondern wir setzen unser Heilfasten fort. Für uns und unseren Nächsten.

Jeder, dem das gelingt, beglückwünsche ich schon jetzt mit einem riesigen Like.

Ihr/Euer

Diakon

Carsten Kempen